
Die ersten Tage in Wien verbringen wir mit der Erkundung der Infrastruktur. Wir schwärmen in alle Richtungen aus und die Lage unserer Wohnung ist wirklich perfekt, wir haben quasi alles vor der Haustür: U-Bahn, Hofer (der österreichische Aldi), City-Bike-Station und einen türkischen Bäcker (der auch alle anderen türkischen Spezialitäten hat, die unser Herz begehrt)

. Nachdem ich am dritten Tag über zwei Kilometer zu einer Post-Filiale gelaufen bin, entdeckte ich auf dem Rückweg, dass wir auch eine solche direkt vor der Haustür haben – wer's nicht im Kopf hat, hat's eben in den Beinen... Ein Angebot, über das wir ganz glücklich sind, ist die City-Bike-Sache. Dort kann man sich rund um die Uhr aus einer von mehr als 50 Stationen ein Fahrrad ausleihen und an jeder beliebigen Station zurückgeben – und wenn die Leihdauer unter einer Stunde bleibt, kostet das nicht einmal was. So werden wir auch hier in der Großstadt zu Pedalrittern. Die Fahrräder sind zudem sehr lustig und quasi unkaputtbar – mit Vollgummireifen, 1-Gang-Getriebe, Nabendynamo und einer lauten Klingel

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Nachdem wir uns ganz gut eingelebt haben (darin sind wir ja mittlerweile schnell), nehmen wir das Projekt "Buch" in Angriff. Unser erster Gang dafür führt uns in die riesige Stadtbibliothek, wo wir uns das erlaubte Maximum an Büchern ausleihen, nämlich 25 Stück. Die meisten sind Erfahrungsberichte anderer Menschen, sei es eine Atlantiküberquerung im Ruderboot, eine Überwinterung in der Arktis mit einer Krebserkrankung, die erst festgestellt wurde, nachdem das letzte Flugzeug weg ist, ein Bericht über einen Fußmarsch von Paris nach Berlin ohne Geld, die Erfahrungen einer Kriegsfotografin oder die Lebenserfahrungen von Tiziano Terzani. Wir lesen, lesen, lesen und zeichnen auf, was uns fasziniert und begeistert, aber auch was uns abstößt oder langweilt. Und dann?
Wir haben beide noch kein Buch geschrieben und haben überhaupt keine Ahnung wie man an solch eine Sache heran geht. Wir fragen uns was uns wichtig ist, wer das Buch lesen soll, also die Zielgruppe, wo das Buch im Laden stehen soll, also das Genre, was wir überhaupt damit sagen wollen, unsere Intention und so weiter... Gedanken fließen auf's Papier und arbeiten in unseren Köpfen. Um uns über den Inhalt klar zu werden, besorgen wir uns eine riesige Rolle Packpapier, die wir der Länge nach mit einem laaangen Zeitstrahl schmücken. An ihm entlang laufen vier Spalten: Ereignisse und Begebenheiten, das praktische Reiseleben, Stefans Gedanken, Christines Gedanken. In den nächsten Wochen sichten wir unsere Aufzeichnungen, also Tagebuch-Berichte, E-Mails, Briefe, Fotos, Landkarten, also alles was unsere Erinnerung auf Trab bringt, und schreiben die Sachen auf das Packpapier, die uns bewegt haben – Wichtiges, Lustiges, Passiertes, Schönes, Trauriges, Unerwartetes, ...
Nebenbei fühlt es sich furchtbar komisch an, Leuten, die man kennenlernt, zu erzählen was man hier in Wien so treibt. "Ich schreibe ein Buch", kriege ich am Anfang kaum über die Lippen. Aber eins hat sich seit der Reise nicht verändert: unsere Erlebnisse sind jederzeit ein guter Aufhänger für ein Gespräch

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