Radfahren gegen Krebs
Radfahren gegen Krebs

Entscheidungshilfen für's Liegerad

Stefan Ein Liegerad gilt immer noch als Exot, nicht nur im Alltag, sondern speziell auch auf großen Touren und das nicht ohne Grund. Es ist noch nicht so lange auf dem Markt wie das normale Rad, ist deshalb auch noch nicht fertig ausgereift und hat somit (speziell mein Liegerad) noch einige Kinderkrankheiten. Auch gibt noch nicht so viele Komponenten für das Liegerad, welche z. B. für eine Weltreise geeignet sind.
Wenn man sich entschließt, mit einem Liegerad auf eine mehrjährige Weltreise zu gehen, muss man sich über drei Punkte im Klaren sein, neben der Umgewöhnung von einem normalen Rad auf das neue Fahrgefühl:
  • Man fällt auf wie ein bunter Hund!!! Dies kann mit der Zeit sehr nervenaufreibend sein, besonders wenn man alleine fährt. Darüber muss man sich bewusst werden.
  • Es gibt oftmals keine fertigen Bauteile, die die Anforderungen für das Liegerad erfüllen - dann heißt es selbst konstruieren oder schweißen lassen. Daher findet man auch weltweit nur sehr schwer Ersatzteile.
  • Es gibt wenige Standards bei Liegerädern, jeder baut anders!

Diese Punkte sollen nicht zur Abschreckung dienen, ich bin ja auch mit einem unterwegs und es ist machbar, aber sie sollen auch gleich klar machen auf was Ihr Euch einlasst wenn ihr sagt: "Ich gehe mit dem Liegerad auf Weltreise!"
Allerdings gibt es auch Gründe, das Liegerad dem normalen Rad vorzuziehen:
  • der bessere Fahrkomfort
  • man kommt entspannter an
  • man hat weniger körperliche Probleme mit z. B. eingeschlafenen Fingern oder Händen, der Sattel drückt nicht usw.
  • man kommt schneller voran (wenigstens in der Ebene)

Da es viele Gerüchte gibt wie: "Man kann das Liegerad nicht gut schieben." oder "Man bekommt doch gar nicht so viel Gepäck unter." oder "Die Federung ist ein Schwachpunkt." oder "Man wird doch mal schnell übersehen." usw., könnt Ihr unter 'Mit Vorurteilen aufräumen' über unsere Erfahrungen mit diesen Gerüchten nachlesen.

Ihr habt Euch also entschieden ein Liegerad für die Weltreise zuzulegen – gute Entscheidung Grin - Smiley, nun will ich ein paar generelle Gedanken in den Raum schmeißen.

Fast alle Liegeräder haben eine Federung und ich kann jedem nur ans Herz legen sich eine solche auch zuzulegen (vorne und hinten), da sie doch Einiges an Komfort, besonders für den Rücken, bietet.

Ein anderer Punkt ist die Lenkung. Es gibt Tieflenker und Oberlenker (ganz grob), welcher Typ für Euch am besten ist, kann man nur durch Probefahren herausfinden. Ich persönlich kann einen Tieflenker nur empfehlen, da dort die Arme und Hände ganz entspannt darauf ruhen können und man sie nicht irgendwie tragen muss. Er ist sehr angenehm, gerade auf langen Strecken.

Generell stellt sich die Frage welche Reifengröße (20" oder 26") man auswählt. Das ist schon ein schwierigeres Thema, denn es zieht Einiges nach sich. Gehen wir mal von meinem Rad aus, welches zwei 20" Räder hat. Ein großer Vorteil ist, dass man nur einen Ersatzmantel mitnehmen muss. Wenn man z. B. vorne 20" und hinten 26" hat, dann braucht man schon zwei verschiedene Ersatzmäntel. Auch sind 20" Räder von Grund auf stabiler, da sie kleiner sind. Der Nachteil ergibt sich aber sofort aus der geringeren Größe, denn man merkt Schlaglöcher mehr (wird aber durch die Federung gut ausgeglichen) und der Reifen nutzt sich schneller ab. Man rutscht durch die geringere Größe auch leichter mal weg, aber damit lernt man mit der Zeit umzugehen. Ob ein Liegerad mit 26" hinten besser oder schlechter abschneidet, kann ich nicht beurteilen, da ich noch keins mit 26" lange gefahren bin. Allerdings würde ich immer darauf achten, egal ob 20" oder 26", dass man sehr breite Reifen 20"x2.0 oder 26"x2.0 aufziehen kann, denn der Grip hängt ganz entscheidend von der Breite ab – gerade bei Sand oder Steinen.

Als Sitz gibt es (meines Wissens) den Bespannsitz, den ich jetzt fahre, und den "normalen" Polstersitz. Die Wahl fiel mir nicht schwer, da man mit dem Bespannsitz viel weniger schwitzt.

Noch ein Wort zum Rahmen möchte ich sagen, denn die meisten Liegeräder sind aus Aluminium. Ich weiß nicht genau warum, aber ich würde mir darüber nicht gar so viele Gedanken machen, wenn der Rahmen wirklich mal brechen sollte, dann wird sich schon eine Lösung finden – davon bin ich überzeugt.

Viele andere Komponenten und Bauteile sind nicht wirklich Liegerad-spezifisch, daher möchte ich darauf hier nicht eingehen. Und über viele Dinge wie den optimalen Lowrider, Gepäckträger oder sonstiges kann man hier eigentlich nicht reden, da es so viele unterschiedliche Formen von Liegerädern gibt.

Als Abschluss möchte ich Euch noch sagen, dass es immer irgendwie weiter geht. Wenn Ihr mit einem Liegerad losfahren wollt, macht es einfach und hört nicht auf Andere, die sagen: "Kauf Dir doch lieber ein normales Rad, dann bekommst du überall Ersatzteile und vor allem ein Stahlrad, das kann man überall schweißen lassen...".

Macht eine Probefahrt und wenn es Euch zusagt, die Konstruktion haltbar erscheint und eventuell auch mal transportierbar ist (in Flugzeug oder Bahn), dann kauft es – ich kann es Euch nur empfehlen!