Radfahren gegen Krebs
Radfahren gegen Krebs

Die Suche nach der richtigen Ausrüstung für eine mehrjährige Radweltreise

Als erstes wollen wir mal sagen, dass es uns Leid tut, dass der Text zum Finden der richtigen Ausrüstung so lang geworden ist. Wir wollen Euch gerne das weiter geben, was wir so mit der Zeit erfahren und erlebt haben und das ist halt nicht in ein paar "schlaue" Sätze zusammen zu fassen. Und es ist uns ein großes Anliegen Euch vor den Fehlern zu schützen, die wir gemacht haben bzw. Euch darauf aufmerksam zu machen, dass sie überall lauern... Wir wollen nochmal hervorheben, dass es hierbei um die Ausrüstungssuche für eine MEHRjährige Weltreise geht.

Ich möchte bewußt noch ein bisschen abschweifen bevor ich mich mit dem "eigentlichen" Thema befassen möchte, damit Ihr meine und unsere Denkweise ein wenig nachvollziehen und verstehen könnt. Da es keine allgemeingültige Antwort gibt, können wir hier eh nur unsere Erfahrungen und unsere "jetzige" Handlungsweise zum Besten geben.

Stefan Was ist die richtige Ausrüstung für mich? Was brauche ich, was könnte man vielleicht brauchen, was kann man daheim lassen? Und nun noch die Frage, was ist das Beste oder welcher Gegenstand von dieser endlosen Auswahl passt am besten zu meinem Geldbeutel? - Dies sind Fragen, die sich in der heutigen Zeit fasst jeder Weltreisende stellt. Ich schreibe bewußt "in der heutigen Zeit". Viele Radreisende, aus der "alten" Zeit, haben meist die Gegenstände mitgenommen die sie eh schon zu Hause hatten, denn Geld war damals nicht gar so reichlich gesät. Wenn etwas gefehlt hat, sind sie einfach in den nächsten Laden gegangen und haben das Zelt gekauft, welches der Händler gerade da hatte. Die übrigen Dinge haben sie sich einfach während der Reise angeschafft. Und so sind sie halt mit ihrem alten "3-Gang-Rad" in das Unbekannte aufgebrochen und haben so auch die Welt umrundet wie z. B. Heinz Helfgen in den 1950er Jahren. Heute sieht das im Normalfall ganz anders aus. Wir gehen anders an diese Probleme heran bzw. machen wir uns die Probleme selbst. Viele wollen auf alle Eventualitäten vorbereitet sein, untwegs so wenige Probleme wie möglich haben und ihre "Urlaubs-Zeit" optimal nutzen, d. h. auf dem Fahrrad verbringen und nicht davor, um etwas zu reparieren oder gar durch die Stadt zu ziehen um den passenden Bremsgummi zu finden (was bei einer mehrjährigen Reise eigentlich nicht so sehr ins Gewicht fällt, da eigentlich immer irgendetwas schief geht, mit dem man vorher nicht gerechnet hat).

Als erstes möchte ich Euch mal meine Herangehensweise schildern. Ca. eineinhalb Jahre vor dem Start habe ich mit der Vorbereitung begonnen. Darunter ist hauptsächlich das Auswählen der Ausrüstung gefallen – natürlich per Internet. Ich habe also angefangen mir zu überlegen, welche Gegenstände ich benötige, habe bei anderen Weltreisenden und vor allem in Foren angefangen nachzuforschen, was andere so dabei haben, ob sie es gebraucht haben und ob sie mit dem Produkt zufrieden gewesen sind. Das artete in sehr viel Arbeit aus, denn jeder kleinste Gegenstand sollte ja optimiert sein. Ich wollte nur das Beste, Wartungsärmste, Stabilste und vor allem Weltreisetauglichste dabei haben. So habe ich Wochen und Monate lang vor dem Computer gesessen und gelesen, zusammen getragen und ausgewählt. Dabei habe ich mich so sehr auf viele Meinungen verlassen, dass ich vergessen habe, diese zu hinterfragen und mir zu überlegen, ob diese Menschen überhaupt eine fundierte Meinung von diesem Gegenstand haben können.

Nehmen wir mal als Beispiel Foren( z. B. www.rad-forum.de, forum.outdoorseiten.net,...). Es gibt riesige Foren, wo so ziemlich alle "High-end"-Gegenstände diskutiert worden sind. Nun wollte ich ja eine Weltreise machen und viele Leute haben erklärt, dass dieser Gegenstand sehr gut oder grottenschlecht ist. Einer hat gesagt, dieser ist besser als jener, der Nächste war einer anderen Meinung. Nun welcher von diesen hat wirklich schon mal eine Weltreise unternommen? Wer von den Foren-Teilnehmern war wirklich schon mal mehrere Jahre unterwegs? Wer hat überhaupt das Wissen und vor allem die EIGENE Erfahrung einen Gegenstand bezüglich seiner Weltreisetauglichkeit zu beurteilen? Oder wer hat es einfach aus einem Testbericht gelesen? - Diese Leute wollen nun sagen können, dass der Gegenstand stabiler ist als jener, obwohl nur sehr wenige schon mal eine solche Reise unternommen haben. Ok, wenn ein Teil z. B. schon auf einer "kurzen" Fahrt gebrochen ist, dann ist es untauglich, aber wenn sie noch keine Probleme hatten,... Das klassische Beispiel, aus unserer Erfahrung heraus, ist das Hilleberg Nallo 2 GT, welches überall angepriesen wird, welches aber im Endeffekt für unsere Zwecke völlig unbrauchbar war. Viele Leute geben Dir Ratschläge und manchmal besitzen sie diesen Gegenstand gar nicht oder haben ihn nur mal bei 'Globetrotter' angeschaut oder ausprobiert. Besonders lange halten sich Gerüchte und bestimmte Firmen werden bevorzugt, obwohl kein technischer Grund dafür vorliegt. Im Rad-Forum sind z. B. 'Ortlieb'-Taschen das Non-plus-ultra, obwohl es ja auch gleichwertige Taschen von 'Vaude' gibt. Dasselbe gilt auch für Hilleberg, Schwalbe, Magura oder andere Firmen, die man "super" findet, aus welchen Gründen auch immer.

Jeder der sich nach einer geeigneten Ausrüstung umschaut, sollte immer im Hinterkopf behalten, dass viele noch nie eine solche Reise unternommen haben und dementsprechend auch keine Erfahrung in dieser Hinsicht haben können.

Christine Ich möchte Euch mal meine Erfahrungen im Rad-Forum schildern und meine jetzige Meinung darüber. Auf den guten Rat eines Freundes hin, hatte ich mich dort angemeldet und er hat für mich einen Pfad eröffnet bezüglich "Kauf eines Reiserads". Ich habe mich sehr schüchtern zurückgehalten, weil ich glaubte überhaupt keine Ahnung von "modernen" Fahrrädern zu haben, obwohl ich an meinem eigenen "alten" Rad alles selbst machte und schraubte. Und ich ging natürlich davon aus, dass jeder der schlauen Forums-Teilnehmer ein "High-Tech"-Rad zu Hause hat und weiß wovon er redet. Aber ganz entgleisen lassen wollte ich die Sache im Forum dann doch nicht und machte ab und zu ein paar Anmerkungen zu Preisvorstellung und Ängsten, bestimmte Sachen (z. B. einen Nabendynamo) im Fall der Fälle vielleicht doch nicht selbst reparieren zu können. Die Reaktionen darauf haben mich davon abgeschreckt, bei technischen Sachen dort irgendeine Meinung zu vertreten bzw. zu veröffentlichen. Bei der Schlafsack-Suche passsierte genau das Gleiche. Teilweise wird man persönlich angegriffen und erhält Bemerkungen, auf die man gut verzichten kann, ganz zu Schweigen von der Unwissenheit der Leute (die ich im Nachhinein festgestellt habe). Jeder hatte im Forum seinen Senf zu Daunen-Schlafsäcken gegeben, aber auf meine Frage hin, wer denn nun wirklich schonmal einen Daunen-Sack mit in den Tropen hatte, kam keine Antwort... Oft bekommt man auch nicht wirklich eine Antwort auf seine eigentliche Frage, da sich das Ganze in Details verliert und die Sache in Grundsatzdiskussionen endet. Im Endeffekt hatte ich mir dann jedenfalls mein "High-Tech"-Rad gekauft, weil es scheinbar der Standard unter den Forums-Teilnehmern war. Ich hatte es im Forum dann auch kurz beschrieben und bei den Antworten ist mir der Unterkiefer heruntergefallen: "Ich kenne keine Frau, die sich so ein tolles / teueres Rad zugelegt hat..." Bitte? Ich dachte jeder im Forum hat solch ein Rad! Da ging mir das Licht auf, dass viele der Leute scheinbar nur von diesen Sachen träumen und natürlich die "Was-ich-nicht-haben-kann-ist-toll"-Meinung haben... Wie sich die Sachen jetzt bewähren, könnt Ihr ja auf unserer Ausrüstungs-Seite nachlesen, denn die Top-Produkte sind oft alles andere als die Hoffnungs-Erfüllung der Foren-Teilnehmer, bzw. sind sie einfach unnötig für solch eine Reise.

Lasst Euch von diesen Leuten nicht verrückt machen! Foren sind eine gute Informationsquelle für die Bandbreite von technischen Möglichkeiten auf dem Markt, aber leider auch eine Plattform für Leute, die scheinbar ein großes Geltungs- und Macht-Bedürfnis haben, welches sich im Internet relativ anonym befriedigen lässt. In Foren wird oft nur einseitig (bestimmte Firmen) und unwissend argumentiert, was Stefan schon beschrieben hat. Und vor allem: auf einer mehrjährigen Weltreise sind die meisten der dort diskutierten Sachen unbrauchbar, weil man keine Ersatzteile dafür bekommt. Und das Argument "Das Produkt ist so gut, das geht nicht kaputt." ist auf lange Sicht gesehen überflüssig. Vertraut lieber auf Euren logischen Menschen-Verstand, die eigene Meinung und manchmal vielleicht auch nur auf ein Gefühl.

Stefan Als weitere Quelle ziehen viele Informations-Sucher auch Magazine (wie z. B. die 'Trekking-Bike', 'Bike' usw.) heran. Ein Beispiel ist ein Artikel in der 'Trekking-Bike' über einen Reiseradtest (05/2007) in dem verschiedene Räder, unter anderem auch auf Weltreisetauglichkeit, getestet wurden. Nachdem wir den Artikel gelesen hatten, war uns klar, dass die Autoren nicht wirklich die Ahnung von einer Weltreise haben oder die Probleme kennen, die während einer solchen auftreten. Es hat uns traurig gestimmt und aufgeregt, weil sehr viele Leser das Geschriebene für bare Münze halten und auch danach handeln. Bei manchen Stellen könnte man meinen, dass dies ein themenfremder Autor geschrieben hat. Über einer Bildserie stand als Überschrift "Kniffe der Konstrukteure". Auf einem dieser Bilder war ein Gepäckträger der Firma 'Tubus' abgebildet, welcher zum Sattel hin zwei Stangen-Enden aufweist. Da dasselbe an Christines Gepäckträger der gleichen Firma auch der Fall ist (jedoch unten), haben wir schon erfahren, dass (was man sich auch denken kann) die Taschen an diesen Stangen-Enden (die Abschlussgummis sind natürlich schon verloren gegangen) beschädigt werden. Wer kann da von guter Verarbeitung und vor allem Reisetauglichkeit sprechen, wenn diese Stangen die Taschen beschädigen? Mehrere Reiseradler, denen wir unterwegs begegnet sind, hatten dasselbe Problem mit 'Tubus' und Radtasche und haben irgendwie, wie auch wir, etwas improvisiert um das Problem zu umgehen. Aber warum ist dieser Gepäckträger nun ein Spitzenprodukt? Am Ende des Artikels wurden die BESTEN Links zum Thema ausgesucht. Aber auf manchen der angegebenen Seiten findet man nicht mal die Informationen, die mit diesem Artikel zusammen hängen, geschweige denn sind es die Besten – es gibt wesentlich informativere Links.

Wir möchten hier nichts schlecht machen, wir möchten Euch nur ein gewisses Maß an Sensibilität und Selbstvertrauen auf die eigene Meinung geben, dass auch diese Zeitungen und Magazine oftmals keine Ahnung haben, da ihnen scheinbar die nötige Erfahrung oder einfach das Wissen fehlt.

Nun werden einige von Euch sagen, dann schaue ich doch einfach was andere Weltreisende dabei haben. Bei vielen bekommt man auch nur sehr bedingt Informationen, denn die meisten Radreisenden schreiben zwar ihre Anfangsausrüstung hin, aber nicht mit welcher Ausrüstung sie nach der Weltreise, nach mehreren Jahren, wieder zu Hause angekommen sind. Fast immer findet man auch keine Bewertung der Ausrüstung. Woher soll man nun wissen, welcher Gegenstand wirklich notwendig gewesen bzw. kaputt gegangen ist...? Die Anfangsausrüstung ist ja auch nur auf Informationen aufgebaut, die man oftmals von Firmen und Personen bekommt, die noch nie auf Weltreise waren. Die allerwichtigste Information von so einem Weltreisenden ist doch eigentlich: was würde er jetzt, nach all der Erfahrung, mitnehmen? Diese Information findet man leider nicht bzw. haben wir sie bis jetzt noch nirgends entdeckt.

Die letzte Informationsquelle, die wir hier nennen möchten, sind die Firmen selbst, die sowohl technische Daten als auch Einsatz-Empfehlungen für ihre Produkte geben. Leider sind sehr viele Produkte, obwohl sie schon lange auf dem Markt sind, noch immer nicht ganz ausgereift. Als Beispiel könnte man hier wieder die 'Tubus'-Gepäckträger anführen, aber auch die 'Rohloff'-Schaltansteuerung. Bei vielen Firmen haben die Entwickler auch keine Weltreise-Erfahrung und der Austausch zwischen Reisenden und Entwicklern scheint nicht gut zu funktionieren, wie z. B. bei der Ständerhalterung von 'Patria' und 'Toxy', den "siffenden" Zefal-Flaschen oder anderen Produkten. Viele bringen auch eher neue Produkte auf den Markt, als erstmal die alten "Krankheiten" auszumerzen. Aber ich glaube, der Markt für solche Produkte, wie wir sie benötigen, ist einfach zu klein und damit nicht so interessant für Firmen.

Ihr seht, es ist gar nicht so einfach an wirklich aussagekräftige Informationen und Erfahrungen heran zu kommen. Somit ist die Ausrüstungssuche auch extrem schwierig, wobei die größte Schwierigkeit wohl darin besteht, die "Besserwisser" von den "Weltreisenden" und "Erfahrenen" auszusortieren. Fast alle Informationen die man so findet, muss man sehr genau untersuchen bevor sie für einen brauchbar sind.