Radfahren gegen Krebs
Radfahren gegen Krebs

Nordkap-Tour: Darmstadt - Nordkap (2002)

Stefan Die zweite Tour ist leider anders verlaufen als gedacht, aber dazu später. Als Ziel hatten Jens und ich uns das Nordkap (nördlichster Punkt Europas) auserkoren. Das war schon ein ganz anderes Kaliber als "nur" nach Italien. Dieses Mal haben wir uns mehr vorbereitet! Richtige Packtaschen (von Ortlieb) mussten her und ich kaufte mir einen neuen Lenker, in der Hoffnung damit das Problem der tauben Finger vermeiden zu können. Zelt und Schlafsack sind gleich geblieben. Allerdings hat sich Jens einen super Kocher (Primus Omnifuel) gekauft, der seinen Namen zu Recht trägt und wirklich (fast) mit allem brennt!

Mit einer großen Portion Motivation sind wir schließlich Richtung Norden aufgebrochen. Und irgendwie haben wir auf dieser Fahrt nicht gar so viel getrunken (Alkohol meine ich natürlich Wink - Smiley, da dieser, je nördlicher man kommt, immer teurer wird). Bis Dänemark lief alles ziemlich problemlos, und wir konnten meist den (von Jens vorgegebenen Wink - Smiley) Kilometerschnitt einhalten. Aber dann wollten wir die Fähre nach Oslo unbedingt noch bekommen. Ich glaube, dienstags war es, da hat Jens gesagt: "Wir müssen die Fähre morgen noch kriegen, dann können wir billiger fahren; - außerdem sind es nur noch 150 km!!" Der Tagesplan lautete folglich, die 150 km zu fahren, allerdings hatten wir uns beide mit der Entfernung ETWAS verschätzt. Wir fuhren und fuhren, es wurde Abend, dann richtig dunkel, und wir fuhren immer noch. Alles in allem 250 km am Stück!!!! Völlig erschöpft (wir sind fast vom Rad gefallen), sind wir dann um 2 Uhr nachts angekommen und haben uns zum Schlafen in die Wartehalle gelegt. TOTAL ausgeschlafen Wink - Smiley ging's morgens mit der Fähre nach Oslo weiter. Die Überfahrt dauerte den ganzen Tag, erst abends hatten wir endlich wieder festen Boden unter den Füßen; dabei gab es so viel auf dem "Schiffchen" zu sehen: Spielkasino, Kino... alles war vorhanden! Nachdem wir von Bord gegangen waren, schafften wir es gerade noch raus aus Oslo, um unser Zelt aufzuschlagen. Nun lag also Schweden vor uns, und je nördlicher wir radelten, umso leerer wurde es. Mit der Zeit war es richtig deprimierend, auf den dünn gesäten Straßenschildern zu lesen: 'Zur nächsten Stadt (eher ein Ort) 100 km'. Das baut nicht gerade auf. So haben wir pro Tag einen Ort geschafft, wenn wir Glück hatten. Doch landschaftlich war es einmalig!!! Irgendwann spürte ich, wie meine Finger immer tauber wurden, aber das ging diesmal noch. Viel schlimmer war, dass ich total verkrampft wurde. Mein Rücken, meine Schultern, eigentlich alles, tat von Tag zu Tag mehr weh! Bis jetzt weiß ich noch nicht warum, da Jens nie Probleme hatte! Nur ich! (Stimmt etwas mit meiner Anatomie nicht???). Es war nix zu machen: ICH MUSSTE ABBRECHEN Confused - Smiley.

Und das nach dieser Odysee! - Das gibt's doch gar nicht; ich und aufgeben. Aber es ging nicht mehr, der Körper hatte über meinen Kampfgeist gesiegt! Für Jens war es ein Schock, da ich ihn nicht darauf vorbereitet hatte. Als wir endlich einen Supermarkt erreichten und einkauften, sagte ich: "Kauf' mal nicht so viel ein." Er fragte sich natürlich, warum. Draußen sagte ich ihm dann, dass ich aufgebe. Er war ziemlich vor den Kopf gestoßen, da er alles nur nicht das erwartet hatte. Bei Sveg haben wir unsere letzte gemeinsame Mahlzeit eingenommen und dann alles, was wichtig war, auf sein Fahrrad geladen. Der Gepäckträger wurde so hoch beladen, dass er das Gepäck als Rückenlehne benutzen konnte Wink - Smiley und wir haben uns verabschiedet. Er hat natürlich das Nordkap erreicht.
Ich machte mich schweren Herzens auf in Richtung Heimat. Da am selben Abend kein Zug mehr fuhr, habe ich mich mit dem Schlafsack auf die Bank am Bahnhof gelegt. Später schloss mir der nette Aufseher das Bahnhofsgebäude auf und ließ mich drinnen schlafen. Doch am folgenden Morgen erwartete mich bereits das nächste Problem; einfach mal sein Fahrrad im Zug mitnehmen, funktioniert in Schweden nämlich nicht! Naiv und stur (wie ich manchmal bin), versuchte ich dennoch einzusteigen, doch der Schaffner wies mich sofort zurecht. So gab ich mein Fahrrad als Paket auf, nur die wichtigsten Dinge trug ich in einer der Packtaschen mit mir rum. In weiser Voraussicht auch den Schlafsack, was mir später sehr zum Nutzen sein sollte. Also auf zum Zug und nach Helsingborg, von wo aus ich nach Dänemark kommen wollte. Wie sollte es auch anders sein, das Fahrrad kam und kam nicht nach. Eine Nacht in den Helsingborger Büschen, danach immer noch keine Spur von meinem Rad Confused - Smiley! Ich hatte überhaupt keine Lust mehr, mein Rücken tat mir weh, und permanent das Gefühl, nicht vom Fleck zu kommen! In der Zeit habe ich viel mit meiner Freundin Chrissi telefoniert und irgendwann kam uns die Idee, dass sie mich abholen kommen könnte Lol - Smiley. - Eine verrückte Idee? - Vielleicht; aber was soll's?... Es gab einige Kommunikationsprobleme und bis sie mit dem Auto losgefahren ist, war es Abend. - Also noch eine Nacht, ich weiß gar nicht mehr, wo. Was war ich froh, als Chrissi endlich da war, das Fahrrad allerdings immer noch nicht! Zusammen sind wir dann ins Cargolager der Bahn gefahren, das irgendwo außerhalb in einem Industriegebiet lag, und haben nachgefragt, wo mein Rad denn sei. Es war immerhin zum nächstgrößeren Bahnhof gekommen. Ob wir es denn persönlich abholen könnten, haben wir den Cargo-Chef gefragt, dem die Sache etwas peinlich schien. Sei kein Problem, so könnten wir auch fast die gesamte Transportgebühr wieder zurück bekommen! Mit dem Sprit zum Abholen meines 400 km entfernten Rades ist es fast zu Null aufgegangen, danach konnten wir endlich die Heimreise antreten!

Ach so: zu erwähnen ist noch, dass Chrissi an einem Stück hochgefahren ist; knapp 1200 km in 10 Stunden oder so.

Wieder zu Hause, kam die Enttäuschung darüber , dass ich abbrechen musste, erst so richtig hoch. Und als mir später Jens seine Bilder zeigte, die er gemacht hat, naja....

Darum werde ich mir jetzt auch ein Liegerad kaufen!!!!!!