
Ok, fangen wir mal ganz vorne an... Am 20.12.1977 bekam die Welt einen neuen Erdenbürger, der schon aus dem Kinderwagen stets flüchten wollte. Aufgewachsen bin ich im Südbrandenburgischen Schwarzheide in der Niederlausitz. Und schon als Kind bzw. Jugendlicher habe ich Bücher wie 'Tom Sawyer' und 'Robinson Crusoe' verschlungen und bin meistens draußen herumgezogen. Auch meine Eltern sind 'Outdoorer' - wochenlange Camping-Ferien, Paddelboot-Ausflüge, Wanderurlaube und Fahrradtouren gehörten zu meiner Kindheit dazu, genauso wie unser Garten, aus dem oft unsere ganze Obst und Gemüse-Versorgung stammte. Und irgendwie bin auch ich dann zur 'Self-made'-Frau geworden - ob 'Buden-Bauen', am Fahrrad schrauben, Teppich verlegen, Autoreifen wechseln, Geschirrspüler reparieren, Kleidung herstellen oder sonstige Basteleien: ich hatte Spaß daran.
Die Berufswahl nach dem Abitur fiel mir sehr schwer. Deshalb hab' ich mich übergangsweise in 2 Semestern erst einmal zum nebenberuflichen Kirchenmusiker ausbilden lassen - ein damaliges Hobby. Danach quälte ich mich durch eine dreijährige Ausbildung zur 'Kauffrau für Bürokommunikation' bei der BASF Aktiengesellschaft in Ludwigshafen/Pfalz. Dass dies (trotz des aussichtsreichen Gehaltes) nicht mein Lebensinhalt wird, merkte ich recht schnell - denn was bringt das Geld, wenn man nicht glücklich ist? Es folgte das Studium mit Abschluss 'Diplom-Ingenieur für Innenarchitektur' an der 'Fachhochschule Lippe und Höxter' in Detmold. Während meiner Studienzeit habe ich eine Ahnung davon bekommen, wie ich leben möchte. Viele, mir wichtig gewordene Leute, haben mich geprägt, enge Freundschaften wurden geknüpft - davor war ich eher ein Einzelgänger mit ausgeprägtem Freiheitsdrang, der allerdings blieb...
Irgendwann fiel mir das Buch 'Abgefahren - In 16 Jahren um die Welt' von Klaus Schubert und Claudia Metz in die Hände und der Gedanke des Aufbrechens war nicht weit. Den Satz von Klaus beim Diavortrag hab' ich immer noch in den Ohren: "Setz' Dir ein Datum und fahr dann einfach los." Ok, das Ende des Studiums wurde grob ausgerechnet - 2006. Aber da war ja noch die Fußball-WM... Na dann, direkt nach der WM - in der Woche nach dem Finale sollte es losgehen. Ungefähr ein Jahr vorher habe ich mit der konkreten Planung begonnen. Das Fahrrad als Reisegefährte stand schnell fest, denn die Möglichkeiten auf einem Rad sind für mich unschlagbar - Nähe zur Bevölkerung, nicht zu schnelles Reisen, kein (Motorrad-)Führerschein nötig (und kein Motorrad

), selbst reparierbar (für mich), keine Fahrpläne, kein Benzin, keine Abhängigkeiten...
Ich wollte diese Reise auf keinen Fall alleine machen. Zu wichtig sind mir menschliche Beziehungen in den letzten Jahren geworden. Und ich wollte auch weiterhin Freud und Leid teilen, jemanden haben, mit dem ich das Erlebte austauschen kann, der meinen Geist beflügelt. Die Suche nach dem richtigen Reisepartner gestaltete sich schwierig. Wer wollte genau so etwas wie ich tun? Und das auch noch mit der gleichen Route, der gleichen Zeitvorstellung, einer ähnlichen Grundeinstellung zu Material, Geld, Essen usw.? Und dann muss es ja auch noch menschlich einigermaßen passen. Und das Wichtigste: falls es so jemanden gibt, wie finde ich ihn?! Ich habe es anfangs mit einer privaten Mail an alle Freunde und Bekannten versucht, mit der Bitte um Weiterleitung im gleichen Stil, später dann mit folgendem Gesuch nach einem Reisepartner im Rad-Forum. Mit einigen möglichen Kandidaten hatte ich mich getroffen - aber keiner wollte mich

. Ungefähr 7 Monate vor der Abfahrt hatte ich dann eine Mail von Stefan im Postfach...
Und so sah mein Gesuch im Rad-Forum aus, das witzigerweise unabhängig voneinander fast genauso wie Stefans klingt:
Hallo, Ihr alle,
ich werde im Sommer 2006 zu einer Weltreise aufbrechen und bin auf der Suche nach jemandem, der mit mir zusammen "aussteigen" möchte.
Losgehen soll’s im Juli. Ich will mit dem Rad fahren, weil ich die Gegend unterwegs nicht durch die Autoscheibe sehen will, man aber so auch schneller und unabhängiger ist als zu Fuß (und Bahn/Trampen). Ich bin allerdings noch kein Profi, d. h. ich habe darin keine Auslandserfahrung; bin bis jetzt nur mal ein paar Wochen in der Mecklenburger Seenplatte mit Rad und Zelt rumgetingelt. Ein Zelt soll für diese Tour auch das übliche Nachtlager sein.
Die erste grobe Richtung ist in meiner Vorstellung Asien (und dort Indien). Für eine genaue Route (entweder Türkei/Iran/Pakistan oder Ukraine/Russland/Kasachstan/China) habe ich mich noch nicht entschieden, wobei mich die nördliche/russische zur Zeit mehr reizt, auch wenn sie länger ist. Danach Richtung Australien und Amerika. Die genaue Route möchte ich gern mit dem/der Reisepartner(in) zusammen planen. Einen zeitlichen Rahmen für die Tour möchte ich mir nicht stecken, ich denke das wird sich unterwegs ergeben. Gehe aber davon aus, daß es mehr als nur ein Jahr sein wird. Wer andere Vorstellungen hat: ich bin auch für neue Ideen offen.
Vielleicht sollte ich noch grob ein paar Sachen zu mir schreiben: Die Reise ist ein jahrelanger Traum von mir. Und jetzt, mit 27 Jahren und gerade beendetem Studium, will ich mir diesen Traum erfüllen. Ich bin neugierig auf fremde Länder mit ihren Menschen und Kulturen, vor allem auch auf „Nicht-High-Tech-Länder“.
Geplante Kilometer pro Tag sollten vielleicht zwischen 50 und 100 liegen, wobei ich aber auch mal dort wo's schön ist ein paar Tage länger bleiben würde.
Lebenshungrige Grüße

Christine
Für alle Interessierten gibt's
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